Gartenbau und Bienenzucht

Wer zu Haus im eigenen Garten ein Bienenhaus oder wenigstens einen Bienenstand hat, wo er mit Bienenvölkern auch Bienenzucht betreiben kann, der wird reichliche Erträge an Obst und Gemüse ernten. Das Gartenbau und Bienenzucht zwei Dinge sind, die sich nicht nur miteinander vereinigen lassen, sondern die sich geradezu ergänzen, weil sie aufeinander angewiesen sind, wird Ihnen jeder Kleingärtner gern bestätigen. Auch der Besitzer eines Siedler- oder Schrebergartens ist auf die Biene angewiesen. Fest steht auf alle Fälle, daß er nur recht wenig Obst ernten würde, wenn fleißige Bienen nicht die Bestäubung seiner Obstblüten vollziehen würden. So bewirken Gartenbau und Bienenzucht eine glückliche Abhängigkeit. Wer einen größeren Garten sein Eigen nennen darf, der Beerensträucher, Obstbaüme, Obst- und Gemüsebeete enthält, was ja für sich schon die Liebe zur Natur dokumentiert, soll doch einmal darüber nachsinnen, ob es nicht auch angebracht wäre, einige Bienenvölker zu halten. Es müssen ja nicht die eigenen sein. Sicherlich findet sich ein Imker, der gern ein paar seiner Völker in Ihrem Garten aufstellt. Dieses Vorgehen erfordert allerdings, sich mit der Lebensweise und den Eigenarten der Bienen vertraut zu machen. Auch in Kleingartenanlagen am Stadtrand oder sogar beim Wohnhaus selbst kann ein Bienenstand durchaus angebracht sein, sofern die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind, damit Reibereien mit den Nachbarn vermieden werden. Die Gerichtsverfahren in diesen Angelegenheiten füllen Bände!

Somit ist es also sinnvoll darauf zu achten, daß die Flugrichtung so gelegen ist, daß möglichst wenig Nachbarn in Mitleidenschaft gezogen werden. Ist der Großteil des Gartens hinter dem Haus gelegen, so empfiehlt es sich, den Bienenstand am Ende des Gartens mit der Flugrichtung zum Haus zu bauen. Es ist immer ratsam, so weit wie möglich vom Nachbargrundstück fern zu bleiben, auch wenn es keine genauen Vorschriften bezüglich der Abstände gibt. Haben Sie einen relativ schmalen Garten, der zu beiden Seiten von anderen Gärten begrenzt wird, so sollten Sie über die Anpflanzung einer Hecke bzw. das Ziehen eines Zaunes nachdenken, so daß die Bienen sofort nach Verlassen des Flugloches zum Hochflug gezwungen werden. Eine Entfernung von vier Metern zu den Beuten ist in Ordnung, das reicht aus, um den Bienen einen hinreichenden An- und Abflug zu ermöglichen. Hecke bzw. Zaun sollten schon eine Höhe von zwei Metern aufweisen. Wo die Anpflanzung einer Hecke nicht möglich ist, da tut es auch ein Drahtzaun, der nicht einmal engmaschig sein muß, die Bienen fliegen nicht durch den Draht hindurch, sondern bevorzugen stets den Flug darüber hinweg. Um den Anblick des Drahtgeflechtes zu verschönern, lasse ich den Draht beranken. Hierzu empfehle ich verschiedene Knötericharten, die Waldrebe oder auch hohe Erbsensorten, die den Zaun zugleich in ein Erbsenbeet verwandeln. So läßt sich auch hier das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Möglichkeiten gibt es also viele, um den Einwänden der Nachbarn den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Für die Errichtung eines Bienenhauses sollten Sie allerdings unbedingt die baupolizeilichen Vorschriften des Ortes in Betracht ziehen. Mit ernsten Schwierigkeiten ist hier allerdings kaum zu rechnen, da für Ihr Bienenhaus in einem Kleingarten wohl kaum ein Fundament benötigt wird. Zwar bleibt die Anmeldepflicht für den Bau des Bienenhauses bestehen, die aber keiner besonderen Genehmigung bedarf. Hier ist in erster Linie die Ortüblichkeit der Bienenhaltung ausschlaggebend, die aber in kleinen und mittleren Städten, so wie auch auf dem Lande, überall gegeben sein dürfte. Nicht einmal in Großstädten wird man auf Schwierigkeiten stoßen. Wenn in Kleingartenvereinen die Gärten recht schmal sind, so ergibt sich unter Umständen die Möglichkeit, mit einem gleichgesinnten Gartennachbarn ein gemeinsames Bienenhaus, daß man auf die Grenze der beiden Grundstücke setzt, zu errichten. Das kann natürlich nur eine Notlösung sein, gewissermaßen der letzte Ausweg. Allerdings ist wohl die Alternative vorzuziehen, irgendwo ein Stück Land auf längere Jahre zu pachten und dort einen Bienenstand zu betreiben. Auch die Entfernung vom Wohnhaus ist dabei nicht so entscheidend, da der Imker ja nicht täglich bei seinen Bienen vor Ort sein muß. Beim eifrigen Studium der Lebensweise seiner Lieblinge wird der Imker es bald lernen, mit der Arbeit am Wochenende auszukommen.