Das Schleuderfest bei den Imkern

Wenn es denn an der Zeit ist, die Waben in die Schleuder zu stellen, damit der Imker seinen Honig daraus gewinnen kann, so wird im Imker-Latain auch vom Schleuderfest gesprochen. Damit ist dann der Höhepunkt der jeweiligen Tracht erreicht. Hierin findet der Imker den Lohn für seine Mühe und Arbeit. Zunächst einmal muß der Schleuderraum für die anstehenden Arbeiten vorbereitet werden, um dem Imker eine stichlose Honigwabenentnahme aus dem Stock zu ermöglichen. Der Imker soll nicht mit Bangen und Furcht vor den vielleicht bevorstehenden Stichen an seine Aufgabe gehen. Stiche sind eine vermeidbare Plage, die für ihn ein zusätzliches Arbeitsaufkommen und für die Völker den sicheren Tod vieler Bienen mit sich bringen. Dies ist nicht das anzustrebende Ziel. Die Ernte des Honigs soll Spaß machen, ein Umgang mit den Bienen, der den Imker erfreut und auch sein Selbstbewußtsein anhebt. Der Imker bedient sich also, bevor er mit der eigentlichen Schleuderung beginnt, der Bienenflucht, damit die Entnahme der Waben reibungslos vonstatten geht. Die Jungbienen, die sich dann immer noch auf den Waben befinden, lassen sich leicht abfegen, sie können noch nicht stechen. Um die Waben zu transportieren, wird ein Honigkasten benötigt. Dieser sollte möglichst mit einem Deckel versehen sein, oder sich mit einem Wachstuch oder sonst einem Tuch abdecken lassen. Eine rein vorbeugende Maßnahme, damit herumfliegende Bienen sich nicht wieder auf die Waben setzen und so in den Schleuderraum gelangen können.

Das Bienenhaus sollte in jedem Fall verschließbar sein. Während der Entnahme der Waben ist daher unbedingt die Tür geschlossen zu halten. Bei den Fenstern ist darauf zu achten, daß die Bienen zwar hinaus gelangen, aber nicht wieder hereinkommen können. Während der ganzen Zeit der Wabenentnahme muß das Bienenhaus unter allen Umständen frei von Flugbienen sein und auch bleiben. Die Jungbienen, die auf den Waben des Honigraums sitzen, werden sofort in den Honigraum zurückgefegt. Sie werden sich dann von allein durch die Absperrgitter in den Brutraum begeben. Wenn dann alle Waben aus dem Honigraum herausgenommen worden sind, wird die Beute, wenn denn kein ausreichendes Wabenmaterial zur Verfügung steht, gleich wieder ordnungsgemäß zugeriegelt. Besteht hingegen die Möglichkeit, den Wabenraum mit Waben auszustatten, so ist das, wenn noch Tracht zu erwarten ist, durchaus von Vorteil. Ist die Tracht allerdings bereits vorüber, kann der Imker auch bis zum Abend warten, um dann die noch honigfeuchten, geschleuderten Waben in den Honigraum zurückzustellen. Jedes Volk soll seine alten Waben zurück erhalten, da sollte es kein Durcheinander geben. Also muß der Imker die Waben eines jeden Volkes gesondert schleudern und anschließend stapeln, um so den Überblick zu behalten. Auch im Schleuderraum dürfen sich während dieser Arbeiten natürlich keine Bienen aufhalten, dies sei nur mal am Rande erwähnt. Der Wohlgeruch des frisch geschleuderten Honigs ruft ansonsten die Bienen herbei, und das auch, wenn der Imker sog. Fliegengazefenster verwendet, wenn sich der Schleuderraum in der näheren Umgebung des Standes befinden sollte. Gerade in trachtloser Zeit kann es dann zu bösen Räubereien kommen.

Selbstwendehonigschleuder

Wenn alle Waben im Schleuderraum angelangt sind, dann kann es mit der Entdeckelung los gehen. Dies ist Arbeit für eine Person, während eine andere damit beschäftigt ist, die Schleuder zu bedienen. Haben wir es mit einem größeren Stand zu tun, so wäre zu empfehlen, das Personal zu verdoppeln, um zügig voran zu kommen. Bevor nun aber mit der eigentlichen Entdeckelung begonnen werden kann, sollte selbstverständlich der Schleuderraum tiptop in Ordnung gebracht und alle zum Schleudern benötigten Gerätschaften parat sein, damit die Bemühungen keine Unterbrechung erfahren. An Arbeitsgerät werden benötigt:

- eine Schleuder
- zwei bis drei Siebe oder an Stelle des dritten Siebes
- ein Seihtuch aus Nesselstoff oder Flanell
- ein Abfülltopf zur Honigaufnahme und
- ein Lagergefäß zur längeren Aufbewahrung

Für die Entdeckelung an sich gebraucht der Imker eine Entdeckelungsschale, in die er das Entdeckelungswachs abstreifen kann und wo der abfließende Honig aufgenommen wird, Entdeckelungsgabeln oder Entdeckelungsmesser und auch einen Pott mit heißem Wasser. Wenn die Waben dann leer geschleudert sind, kommen sie erst einmal auch wieder in eine Kiste gleicher Bauart wie oben mit Deckel bzw. Tuch zum Abdecken. Um die Leistung jedes einzelnen Volkes zu ermitteln, was für den Imker zur Berechnung der Wirtschaftlichkeit unerläßlich ist, um unter dem Standdurchschnitt liegende Völker auszumerzen, so ist auch eine Waage unerläßlich. Hierfür hat sich die Stockwaage hinlänglich bewährt. So werden die Kisten einmal vor und einmal nach dem Schleudern gewogen, die Differenz ist der Ertrag. In einer vorbereiteten Tabelle werden dann die Erträge gemeinsam mit der Nummer des jeweiligen Volkes auf dem Laptop notiert und gespeichert. Diese Daten gebraucht der Imker sowohl für die Stockkarte als auch für das Standbuch, der Königinnenzüchter auch für die Zuchtliste.

Alle meine im Schleuderraum tätigen Mitarbeiter und Helfer tragen selbstverständlich hygienisch einwandfrei saubere weiße Kittel, ohne wenn und aber. Das Entdeckeln als solches geschieht nun in der Weise, daß ich eine Wabe aus dem Kasten nehme, sie in die Entdeckelungsschale stelle und mit meiner linken Hand stark nach links geneigt halte um nun mit der Gabel bzw. dem Messer geflissentlich die Zelldeckel abhebe und am Schalenrand abstreife. Hier muß ich aufpassen, daß mir die Zellränder möglichst wenig oder noch besser gar nicht beschädigt werden. Dies bewerkstellige ich am einfachsten, indem ich die Gabel möglichst flach über die Wabe führe. Diese Arbeit ist mit Ruhe und Bedacht vorzunehmen, keine Hektik. Übung macht auch hier den Meister und wenn die Griffe erst mal sitzen, geht es auch flott voran. Je weniger ich hierbei die Zellränder beschädige, desto weniger Mühe haben hinterher meine fleißigen Bienen, mein Trümmerfeld wieder auszubessern. Wenn ich die eine Seite entdeckelt habe, drehe ich die Wabe um und entdeckel dann auch die andere Seite, sofern es sich um Honig handelt, der einigermaßen fest in den Waben sitzt, beim Schräghalten der Wabe also aus der entdeckelten Seite nicht herausfließen kann. Wenn ich aber flüssigen Honig habe, so entdeckel ich zunächst nur eine Seite und stelle die Wabe so in den Drahtkorb der Schleuder, daß die entdeckelte Seite nach außen zeigt. Hochwaben stelle ich auf den Kopf. Es ist bekannt, daß alle Zellen einer Wabe leicht nach oben geneigt sind. Stell ich die Waben also auf den Kopf, so zeigen sie zwangsläufig nach unten, beim Schleudern fliegt mein Honig dann leichter heraus. Ich beginne erst dann die Schleuder zu drehen, wenn jede Korbseite mit einer Wabe besetzt ist. Ich beginne zunächst mit einer niedrigen Drehzal, die sich dann behutsam steigert. Um ein eventuelles durchbiegen der Waben von vornherein bei höherer Drehzahl zu vermeiden, auch wenn die andere Seite der Wabe noch gefüllt ist, werden die Waben fest am Gitter gedrahtet, was zur Gewohnheit werden sollte. Wenn ich beide Seiten entdeckelt habe, dann schleudere ich zunächst die eine Seite halb aus, drehe dann die Wabe um, schleudere diese Seite ganz aus und drehe dann nochmals um, damit nun auch der Rest des auf der ersten Seite verbliebenen Honigs geschleudert werden kann.

Die entleerten Waben stelle ich dann sofort in den besagten zweiten Kasten, und der Vorgang wiederholt sich. Im Laufe der Zeit setzen sich an Gabel und Messer, wenn auch hier spärlicher, immerhin noch soviel Honig und Wachs an, daß das Entdeckeln beschwerlicher wird. Darum stelle ich Gabel und Messer in den mit heißem Wasser gefüllten Pott, wo sich das Gut schnell vom Metall löst, und entdeckel daraufhin mit dem Reservegerät weiter. Durch den geöffneten Quetschhahn fließt nun der Honig aus der Schleuder in das erste grobmaschige Sieb. Die größeren Wachsteilchen bleiben hier schon einmal zurück, während Honig und die delikateren Wachsteilchen in das zweite, engere Sieb fließen, das nun auch die zierlicheren Wachsteilchen zurückhält. Wenn die Siebe durch die Wachsteilchen verstopft sind und der Honig nicht mehr glatt durchfließen kann, so füllen sich die Siebe. Hier kommen jetzt die Reservesiebe zum Einsatz. Niemals sollte ich, wenn ich keine Reservesiebe zur Hand habe, den Honig in den gefüllten Sieben durchrühren. Das hat zwar zur Folge, daß der Honig jetzt wieder flott durch die Maschen läuft, aber durch das Rühren würden auch die Wachsteile zerkleinert und ebenfalls mit durchlaufen, und das wollte ich ja gerade vermeiden. Also gieße ich den Honig lieber in ein anderes Gefäß, reinige die Siebe von den Wachsteilchen und lasse ihn dann wie gewohnt durchlaufen.

Will ich meinen Honig von einem Preisgericht begutachten lassen, so sollte ich ihn auch noch durch ein Seihtuch laufen lassen. Ich spanne das Tuch über einen Kübel, in dem der Honig bis zum Abfüllen in die Gläser verbleiben soll, daß es eine entsprechende Senke bildet, und gieße ihn dann vorsichtig darauf. Mein Honig läuft bedächtig durch, wobei nun auch die feinsten Wachsteilchen zurückgehalten werden, so daß mein reiner Bienenhonig jetzt von allen Abweichungen befreit ist. Ist mein Kübel voll, wird er mit einem Tuch bedeckt und an einem warmen und trockenen Ort, wo ich später das Rühren vornehmen werde, (siehe Honigbehandlung) abgestellt.

Wenn die Bienen am Abend ihren Flug eingestellt haben, kann ich die honigfeuchten Waben in die Aufsatzkästen zum Auslecken zurückgeben. Handelt es sich um die letzte Schleuderung und ist es an der Zeit, die Bienen für den Winter vorzubereiten, so kann ich die Waben auch so, wie sie aus der Schleuder kommen, in den Wabenschrank hängen und für den nächsten Frühling aufbewahren. Der Wabenschrank sollte unter allen Umständen auch an einem trockenen Ort stehen. Bis zum kommenden Frühling hält sich der restliche Honig hier sehr gut, und meine Bienen erhalten ihn dann, wenn ich mit ihnen im nächsten Jahr den Honigraum ausstatte, leichter, als wenn ich trockene Waben verwende. Auch gehen die Wachsmotten lieber an trockene als an feuchte Waben. Mein Honigraum ist nun ausgeschleudert und jetzt erhebt sich für mich die Frage: Soll ich auch Honigwaben aus dem Brutraum schleudern? Die Frage kann ich weder bejahen noch verneinen, es kommt ganz auf die Verhältnisse an. Ist keine Tracht mehr zu erwarten, so werde ich den Brutraum unberührt lassen, wenn im übrigen die Waben mit Brut besetzt sind und nur schwache Honigkränze zeigen. Sind hingegen große Honigkränze sichtbar, die meinen Bienen ein Durchhalten bis zur nächsten Tracht oder bis zur Herbstfütterung ermöglichen, dann ist nichts dagegen einzuwenden, daß die seitlichen Waben in Blätterstöcken oder in Lagerbeuten oder die rückwärtigen in Ober- und Hinterbehandlungsbeuten, wenn sie keine Brut enthalten, geschleudert werden. Waben mit Brut, auch mit verdeckelter Brut, sind für mich in jedem Fall tabu. Offene Brut würde ohne weiteres in den Honig fliegen und ihn verunreinigen, aber auch verdeckelte Brut leidet, und ich brauche die Jungbienen dringend für die kommende Saison. Wenn also aus dem Brutraum geschleudert werden soll, dann unter allen Umständen nur völlig brutfreie Waben. -

Etwas mühseliger als die Schleuderung des Sommerhonigs gestaltet sich die Schleuderung des Heidehonigs. Heidehonigwaben sind nicht zum Auslecken ins Volk zurückzugeben, sondern bis zum nächsten Jahr aufzubewahren und dann dem Volk bei der Erweiterung ans Brutnest zu hängen. Das ergibt eine ausgezeichnete Reizfütterung, und eine solche Wabe wird meistens sofort ins Brutnest mit einbezogen. Ebenso wäre es verkehrt, alle Honigwaben durch die Schleuder gehen zu lassen. Für jedes meiner Völker sollte ich ein bis zwei Honigwaben, die aber gut verdeckelt sein müssen, in den Wabenschrank hängen, um sie für Notzeiten oder für den kommenden Frühling aufzubewahren. Wenn sie dann entdeckelt und ans Brutnest gehängt werden, bieten sie ein Reizfutter, das besser nicht sein kann.






Honigschleudern Produktkatalog
2016 - 2018




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der Honig kalt geschleudert!" target="_blank">kaltgeschleudert